Sonntag, 10. Juli 2011, 19.30 Uhr
Immanuelskirche Wuppertal, Sternstraße 73

Adolf Gebauer (1941)
ROMANTISCHE MODERNE

Festkonzert mit Werken des Komponisten 
zum 70. Geburtstag

Jirina Gebauer — Sopran 
Liviu Neagu-Gruber — Violine
Johanna Seitz — Harfe
Susanne von Foerster — Oboe
Simone Sitterle — Klarinette
Andreas Baßler — Fagott
Maki Hayashida — Klavier
Torsten Laux — Orgel

Martfeld Quartett

Kantorei Barmen-Gemarke
Wolfgang Kläsener — Orgel und Leitung
  

Adolf Gebauer — Komponist zwischen Prag und Wuppertal
Eine Annäherung zum 70. Geburtstag

Am 14. Mai 1941 in Bachorzyn (Polen) als Sohn einer tschechischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren, verlässt Adolf Gebauer mit seinen Eltern das Geburtsland bereits mit vier Jahren.
Neue Heimat wird die Tschechoslowakei (Tschechien).
Prag, der Stadt seiner entscheidenden künstlerischen Entwicklung und ersten Höhepunkte, gilt auch heute noch seine besondere Liebe, die er mit der tschechischen Geigerin und Sängerin, seiner Frau Jirina, aufs innigste teilt.

Seit 1980 lebt der Komponist und Geiger in Wuppertal.
Viele Stationen markieren seine Lebensstraße.
1968, nach dem Diplomabschluss („mit Auszeichnung“) als Geiger in der Meisterklasse bei Prof. Marie Hlounová an der Prager Akademie der Künste, führt ihn der Weg zusammen mit seiner Frau Jirina nach Amsterdam. Beide werden für zwei Jahre Mitglieder der Amsterdamer Philharmonie, bevor es sie für zwei weitere Jahre zum ersten Mal nach Wuppertal verschlägt.
Dem Sinfonieorchester unter GMD Hanns-Martin Schneidt ist er ein willkommener Musiker in den ersten Geigen.

Die heimliche alte Liebe Prag jedoch obsiegt — vorübergehend. 
1972 kehren sie zurück an den Ort der künstlerischen und lebensgeschichtlichen Wurzeln.
Mitglied im Radiosinfonieorchester Prag nimmt Gebauer gleichzeitig Kompositionsstudien in der Meisterklasse bei Prof. Jirí Pauer auf, die er 1979 „mit Auszeichnung“ (Diplom) absolviert.

Erfolgreiches Meisterstück, dem Begeisterung und größte Würdigung zuteil wird, ist das Violinkonzert op. 26, von Jiri Tomásek mit der Janácek-Philharmonie im selben Jahr uraufgeführt. 
1980 erhält das Werk die Auszeichnung „Beste Komposition des Jahres“.
1988 soll es mit dem — von Adolf Gebauer besonders hoch geschätzten — Geiger und Professor der Kölner Musikhochschule Igor Ozim und dem Wuppertaler Sinfonieorchester seine triumphale deutsche Erstaufführung erleben.

Bis dahin jedoch bleibt noch ein biographisch steiniger Weg.
Die politischen Umstände nach der gewaltsamen Beendigung des „Prager Frühling“ von 1968 lassen sich bei aller Liebe zur Heimat mit den großen musikalischen Erfolgen und Ehrungen nicht dauerhaft ertragen. Der zweite „Frühling“ in den Ostblockstaaten ab 1989 ist noch in weiter Ferne.
Vor allem die beiden Kinder Peter und Simone sollen nicht in der geistigen Atmosphäre autoritärer Entmündigung, der Restriktionen und Repressalien des totalitären Regimes aufwachsen.
Eine abenteuerliche Route über Jugoslawien, Österreich erlaubt die Flucht in den Westen.
Ein zweites Mal ist es Wuppertal, wo die Familie Gebauer „hängenbleibt“ — eigentlich sollte Kanada das gelobte Land werden — diesmal auf Dauer. 
Maßgeblich beteiligt am Bleiben ist die emphatische Begrüßung und Wiederaufnahme durch GMD Hanns-Martin Schneidt in das Wuppertaler Sinfonieorchester mit der Saison 1980/81.

Ein Zeichen? Wuppertal wird den beiden zweite, ganz entschieden angenommene Wahlheimat: „Pudelwohl“ fühlen sie sich in der kulturell lebendigen, hellwachen Stadt, besonders aber auch als bekennende Cronenberger. An verträumten Abenden auf dem Balkon imaginieren die beiden hinter den Gärten und Häusern das Meer, das ihre „dritte Liebe“ Teneriffa umspült.

Es ist Adolf Gebauer gelungen — trotz seines bewegten Lebens und neben seinem Beruf als Orchestermusiker, in Prager Zeit auch als Primarius eines von ihm gegründeten Klaviertrios und Mitglied der Prager Kammersolisten, den damit verbundenen zahlreichen Tourneen durch fast alle europäischen Länder, durch die Sowjetunion, USA und Kanada — , die seit früher Jugend empfundene innere Aufforderung zum Komponieren kontinuierlich zu pflegen.

Sein OEuvre, das internationale Beachtung findet und in zahlreichen Einspielungen vorliegt, repräsentiert die klassischen Gattungen der symphonischen, der Vokal- und Kammermusik, vom Sololied bis zum Violinkonzert. Wenngleich weitgehend alle Orchesterinstrumente vom Komponisten berücksichtigt sind, scheint die Geige durch den Geiger von Beruf und aus Berufung eine gewisse Bevorzugung zu genießen.

Vor einem Jahr schließlich, am 5. Juni 2010, kommt es zur jüngsten Uraufführung. 
Im Rahmen der Bergischen Biennale für Neue Musik erlebt Gebauers anrührendes „Kyrie“ für Sopran, vierstimmigen Chor und Orgel als korrespondierender Beitrag zum „Kyrie“ aus Robert Schumanns Missa sacra seine tief überzeugende Interpretation.
Das Abschlusskonzert des Musikfestivals im Schumannjahr, veranstaltet von der Kantorei Barmen-Gemarke in Kooperation mit der Bergischen Gesellschaft für Neue Musik, versteht sich als ausdrückliche Reverenz der jüngeren Komponistengenerationen gegenüber dem älteren großen Kollegen.

Am 10. Juli 2011, 19.30 Uhr, wird — wieder in der Immanuelskirche Wuppertal wie im Vorjahr — ein Festkonzert zum 70. Geburtstag des Komponisten Gebauer mit dem „Kyrie“ an die Uraufführung von 2010 anknüpfen und weiteren Werken aus seinem Schaffen — u. a. einer Uraufführung für Harfe solo („Kinderträume“) — das Wirken des Künstlers und seinen beeindruckenden Beitrag zum Kulturleben der Stadt Wuppertal würdigen.

Adolf Gebauer — Komponist zwischen Prag und Wuppertal, 
zwischen den Räumen — nicht nur topographisch, auch stilistisch: 
ein „romantischer Moderner“

Gundula Thomann-Frese
  

    

    

Foto: © 2011 Uwe Schinkel 

 

 

Mit freundlicher Unterstützung der Stadtsparkasse Wuppertal 

  


 

  

 

 

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